Sanierungsbedarf im Sportbereich verschwindet nicht durch einen Federstrich

28.09.2026

Die CDU-Ratsfraktion fordert von der Stadt Klarheit über den Zustand, die weitere Nutzbarkeit und die Finanzierung der Ruderstege an der Kiellinie. Für die dort aktiven Vereine sind die Steganlagen ein wichtiger Bestandteil ihrer Sportinfrastruktur. Einschränkungen oder Sperrungen wirken sich unmittelbar auf Trainingsbetrieb, Vereinsarbeit und Nachwuchsförderung aus.

Im Haushaltsplan 2026 der Stadt Kiel waren für die Maßnahme „Sanierung Ruderstege Kiellinie“ für die Jahre 2026 bis 2028 insgesamt 2,3 Millionen Euro eingeplant. In der aktuellen Investitionsplanung 2027 bis 2030 sind nach den der CDU-Ratsfraktion vorliegenden Unterlagen dagegen keine Mittel für die Maßnahme vorgesehen.

Zugleich wurden die Steganlagen nach Informationen der CDU-Ratsfraktion zuletzt technisch untersucht. Bei einzelnen Anlagen bestehen demnach Fragen hinsichtlich ihrer weiteren Nutzbarkeit; mindestens eine Anlage ist aufgrund gefährdeter Standsicherheit nun vollständig gesperrt. Damit stellt sich die Frage: Wie kann die vom Oberbürgermeister Dr. Samet Yilmaz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) geleitete Verwaltung Millionenbeträge für die Sanierung aus der Investitionsplanung nehmen, während der Zustand der Anlagen offenbar weiter Anlass zu Sicherheitsbedenken gibt?

Dazu erklärt Ratsherr Sebastian Thiede, sportpolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion:

Das ist ein bemerkenswerter finanzpolitischer Zaubertrick. Ein Haushaltsansatz kann aus einer Tabelle verschwinden. Ein tatsächlicher Sanierungsbedarf verschwindet dadurch nicht. Wenn die bisher eingeplanten 2,3 Millionen Euro in der neuen Planung nicht mehr auftauchen, muss die Verwaltung erklären, was sich verändert hat: der Zustand der Anlagen, der Zeitplan, die Finanzierung oder lediglich die haushalterische Zuordnung. Für die Vereine zählt, dass sichere Nutzung und Planungssicherheit gewährleistet sein müssen.

Zusätzliche Aktualität erhält der Sachverhalt durch die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes vom Wochenende: München ist deutscher Bewerber um Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044, Kiel ist als Segelstandort Teil des Konzepts.

Dass Kiel jetzt offiziell Teil der deutschen Olympia-Bewerbung ist, unterstreicht unseren Anspruch als Wassersportstadt. Wer diesen Anspruch glaubwürdig vertreten will, muss aber auch die Grundlagen des täglichen Vereins- und Breitensports sichern. Eine Sportstadt beweist sich nicht nur bei großen Bewerbungen und Veranstaltungen, sondern dort, wo Vereine Woche für Woche Training ermöglichen und Kinder und Jugendliche für den Sport begeistern.

Die Kiellinie ist eines der sichtbarsten Aushängeschilder unserer Sport- und Segelstadt. Mit Angeboten wie dem Segelcamp werden dort jedes Jahr insbesondere Kinder und Jugendliche für den Wassersport begeistert. Sichere und verlässliche Wassersportinfrastruktur muss deshalb dauerhaft ernst genommen werden – ganz unabhängig davon, ob ein einzelner Steg später irgendeine Rolle für Olympia spielt, so Ratsherr Thiede.

Die CDU-Ratsfraktion erwartet eine transparente Darstellung des tatsächlichen Zustands der Stege, der Ergebnisse der Prüfungen sowie einen belastbaren Zeit- und Finanzierungsplan für notwendige Maßnahmen. Eine ersatzlose Streichung der Investition bei gleichzeitig fortbestehendem Sanierungsbedarf wäre weder sachlich vermittelbar noch fachlich vertretbar.

Für den Fall längerfristiger Nutzungseinschränkungen muss außerdem gemeinsam mit den betroffenen Vereinen umgehend eine praktikable Übergangslösung geprüft werden. Dabei könnten auch vorhandene mobile Pontons einbezogen werden – beispielsweise die nach Ende der Badesaison zurückgebauten Badepontons am Badesteg Bellevue, sofern diese technisch, sicherheitsrechtlich und betrieblich geeignet sind.

Eine längerfristige Sperrung ohne belastbaren Zeitplan und ohne Prüfung einer praktikablen Ersatzlösung wäre für die Vereine und ihren Trainingsbetrieb eine erhebliche Belastung. Wir wollen deshalb nicht nur wissen, warum sich die Haushaltsplanung verändert hat. Entscheidend ist, wie eine verlässliche Lösung für die Wassersportlerinnen und Wassersportler aussieht, so Ratsherr Thiede abschließend.