Busverkehr eingestellt Wir nehmen Verwaltungsspitze und OB in die Pflicht

04.01.2026

Der Schneefall am vergangenen Samstag hat in Kiel erneut erhebliche Auswirkungen auf die Mobilität in der Stadt gehabt. Am Nachmittag wurde der gesamte Busverkehr der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) eingestellt, da die Straßen stadtweit nicht ausreichend von Schnee und Eis befreit waren. Davon betroffen war nicht nur der öffentliche Nahverkehr, sondern auch der Autoverkehr: Viele Haupt- und Nebenstraßen waren nur eingeschränkt befahrbar. Dieser Zustand hielt bis in den Sonntag hinein an.

Besonders irritierend ist dies vor dem Hintergrund der Erläuterungen zur Winterdienstplanung in Druck-sache 0482/2025. Demnach sind zuerst verkehrswichtige Straßen, überwiegend Hauptverkehrsachsen, zu streuen und zu räumen – dazu zählen ausdrücklich auch die Hauptrouten des ÖPNV. Davon war am Samstag wenig zu spüren.

In anderen Städten lief der ÖPNV – wenn auch eingeschränkt – weiter. In Kiel hingegen wurde der Be-trieb vollständig eingestellt und auch der Individualverkehr massiv beeinträchtigt. Aus Sicht der CDU-Ratsfraktion wirft dies Fragen auf, die sich klar und unmissverständlich an die Spitze der Verwaltung und damit an den Oberbürgermeister richten. Als Verwaltungschef trägt er die Gesamtverantwortung – auch für den Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) und dessen Funktionsfähigkeit im Winterdienst.

Der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Ratsherr Carsten Rockstein, erklärt dazu:
Es ist für uns und viele Bürgerinnen und Bürger nicht nachvollziehbar, warum in Kiel bei Schneefall bereits am Nachmittag der komplette Busverkehr eingestellt wird und zugleich auch der Autoverkehr nahezu zum Erliegen kommt. Wenn laut Planung gerade Hauptverkehrsachsen und ÖPNV-Routen Priorität haben sollen, muss erklärt werden, warum nicht einmal diese Bereiche funktionsfähig waren.

Zugleich stellt die CDU-Ratsfraktion ausdrücklich klar: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Räumfahrzeugen sowie die Busfahrerinnen und Busfahrer leisten hervorragende Arbeit. Sie arbeiten unter schwierigen Bedingungen, übernehmen Verantwortung und verdienen Respekt und Anerkennung.

Ratsherr Carsten Rockstein betont:
Es ist mittlerweile fast zur Gewohnheit geworden, den Frust reflexartig an den Beschäftigten auf der Straße auszulassen. Das ist unfair und falsch. Wenn priorisierte Konzepte in der Praxis nicht greifen, liegt das nicht an den Menschen in den Fahrzeugen.

Erst kürzlich wurden neue Konzepte zur Organisation des Winterdienstes erarbeitet und neue Technik beschafft. Dass es dennoch erneut zu massiven Einschränkungen kam, wirft erhebliche Zweifel an der Umsetzung und Wirksamkeit auf.

Die CDU-Ratsfraktion stellt daher konkrete Fragen:
• Wie sind die priorisierten Routen des Winterdienstes konkret definiert, insbesondere im Hinblick auf Hauptverkehrsachsen und ÖPNV-Hauptrouten und warum waren diese Strecken offensichtlich nicht ausreichend geräumt?
• Wie viele Räum- und Streufahrzeuge standen tatsächlich zur Verfügung, und wurden sie entsprechend der Prioritäten eingesetzt?
• Warum konnte trotz der vorgesehenen Priorisierung nicht einmal ein Grundangebot auf den wichtigsten Buslinien aufrechterhalten werden?
• Welche Konsequenzen zieht die Verwaltungsspitze aus diesem offensichtlichen Widerspruch zwischen Planung und Realität?

Brisant ist das Thema auch deshalb, weil es kein Einzelfall ist. Bereits vor zwei Jahren stand der Winterdienst in Kiel massiv in der Kritik. Die Kieler Nachrichten berichteten am 01.12.2023 über strukturelle Defizite. Dass sich diese Probleme trotz neuer Konzepte wiederholen, deutet auf ein tieferliegendes Problem im Verantwortungsbereich des Oberbürgermeisters hin.
Die CDU-Ratsfraktion fordert den Oberbürgermeister daher auf, seiner Verantwortung gerecht zu werden und kurzfristig für Transparenz und Abhilfe zu sorgen.

Ratsherr Carsten Rockstein abschließend:
Die Menschen in Kiel erwarten zu Recht Führung, Verlässlichkeit und funktionierende Strukturen – für Busse wie für Autofahrer. Die Beschäftigten leisten ihren Beitrag jeden Tag. Die Stadt Kiel kann nicht die Regeln für Privatpersonen verschärfen und gleichzeitig wiederholt ein peinliches Bild abgeben. Jetzt ist es Aufgabe des Oberbürgermeisters, dafür zu sorgen, dass Konzepte nicht nur auf dem Papier gut klingen, sondern im Winter auch tatsächlich funktionieren.